Über mich und meine Arbeit
Ich bin eine der merkwürdigeren Kombinationen, die man in der Psychotherapielandschaft antrifft — und ich meine das als Selbstbeschreibung, nicht als Entschuldigung. Ich habe mehrere Leben gelebt und irgendwann die Konsequenz gezogen, sie zusammenzuführen statt auseinanderzuhalten.
Diplom-Ingenieur für Feinwerk- und Medizintechnik. Heilpraktiker für Psychotherapie. Motorradfahrer. HUET-Trainer. Zugführer bei den Johannitern. Und in der Mitte davon eine Privatpraxis in Oldenburg, die das alles trägt — und sichtbar macht.
Der Ingenieur, der ins Innere schaut
Die meisten Menschen, die in die Psychotherapie kommen, haben irgendwann mal Jura studiert, Pädagogik, vielleicht Soziologie. Ich habe zuerst Maschinen verstanden, bevor ich Menschen verstanden habe — und das ist kein Nachteil. Das ist eine Erkenntnistheorie. Wer gelernt hat, Systeme zu analysieren, Toleranzen zu verstehen, Fehler nicht zu moralisieren sondern zu lokalisieren, bringt etwas mit, das in der Therapieszene selten ist: eine handwerkliche Nüchternheit.
Das zeigt sich in meiner Praxis nicht als Kälte, sondern als Klarheit. Ich arbeite mit CBT, ACT, EMDR, VR-gestützter Expositionstherapie und Gruppenformaten — das ist kein Zufallsmenü, das ist ein Werkzeugkasten, bei dem ich ernsthaft überlegt habe, was wofür gebraucht wird und warum. EMDR für Trauma, weil das Nervensystem keine philosophischen Argumente braucht. ACT, weil Akzeptanz und Werte nicht dasselbe sind wie Resignation. VR-Exposition, weil ich kein Mensch bin, der wartet, bis die Technik salonfähig geworden ist — ich probiere sie aus, während andere noch darüber diskutieren, ob das seriös ist.
Dieser Zug durch meine Praxis — methodisch informiert, technologisch neugierig, pragmatisch ohne zynisch zu sein — das ist kein Zufall. Das ist eine Haltung. Und Haltungen kommen von irgendwo.
Oldenburg als Ort, nicht als Zufall
Eine Privatpraxis in Oldenburg zu führen bedeutet: ich bin nicht in Hamburg oder Berlin, wo das Angebot so dicht ist, dass man zur Nische gezwungen wird. In Oldenburg habe ich eine Stadt mit überschaubarer Größe, echtem Einzugsgebiet und einer Bevölkerung, die — wie in vielen nordwestdeutschen Mittelstädten — eher auf Verlässlichkeit als auf Trend anspricht.
Das passt zu mir. Ich schreibe nicht über Traumaheilung als spirituelle Reise. Ich spreche nicht über mich selbst in der dritten Person oder mit dem Wort "ganzheitlich". Mein Stil ist direkt, faktisch, fast sparsam — und das ist in einer Branche, die zum Esoterischen neigt, eine klare Positionierung, auch wenn ich sie nicht so benenne.
Wer nach jemandem sucht, der erklären kann, was das Polyvagale Nervensystem mit seiner Angst vor Autobahnauffahrten zu tun hat — ohne dabei eine Kerze anzuzünden — ist bei mir richtig.
Supervision und Coaching als strukturelle Vernunft
Neben Einzeltherapie biete ich auch Supervision und Coaching an. Das ist keine Profilstrecke, das ist strukturelle Vernunft. Ich habe ein berufliches Selbstverständnis, das über "ich helfe Menschen" hinausgeht — ich helfe auch denen, die anderen helfen. Supervision für Fachkräfte erfordert etwas, das man nicht lernen kann, wenn man nur Therapiestunden gemacht hat: man muss andere professionelle Welten verstehen und ernst nehmen, ohne in ihnen aufzugehen.
Mein Ingenieurhintergrund ist hier ein echter Vorteil. Ich weiß, wie Organisationen funktionieren, wie Hierarchien Stress erzeugen, wie Qualitätssicherung und Menschlichkeit in Konflikte geraten. Ein Supervisor, der all das nur aus Büchern kennt, ist wie ein Fahrlehrer, der nie selbst gefahren ist. Ich bin gefahren — in mehreren Fahrzeugen, mit unterschiedlichen Reifen, bei unterschiedlichem Wetter.
Die Johanniter: Ernst genommen, wenn es ernst ist
Als Zugführer bei den Johannitern in Oldenburg bin ich in einem Kontext aktiv, der nichts mit Praxismarketing zu tun hat. Das ist PSNV in der Realität: Menschen in akuter Not, Einsatzlagen, Krisensituationen. Kein Setting für Komfort, keine Möglichkeit, auf eine bessere Tagesform zu warten.
Das verändert etwas — nicht nur im Können, sondern im Blick. Wer regelmäßig in der Krisenintervention tätig ist, sieht Klienten in der Praxis anders. Ich weiß, was echte Dekompensation aussieht im Vergleich zu dem, was in Warteräumen präsentiert wird. Ich habe gelernt, mich selbst zu regulieren, bevor ich anderen helfe — weil es im Einsatz keine Alternative gibt.
Dieser Hintergrund fließt in meine therapeutische Arbeit ein, auch wenn er nicht immer explizit sichtbar ist. Es ist der Unterschied zwischen jemandem, der über Stabilisierungstechniken gelesen hat, und jemandem, der sie unter Zeitdruck, mit unvollständigen Informationen und erhöhtem Adrenalinspiegel angewendet hat.
Gruppenformate: Das Kollektive als therapeutisches Setting
Dass ich Gruppenarbeit anbiete, spricht für eine therapeutische Überzeugung, nicht nur für betriebswirtschaftliche Effizienz. Gruppen sind schwieriger zu führen, schwieriger zu halten, schwieriger zu vermarkten — sie erfordern ein Verständnis von Gruppendynamik, das man sich erarbeiten muss, weil es sich dem reinen Lesen entzieht.
Was in Gruppen passiert — die Spiegelung, die Normalisierung durch Peers, die Entlastung des Nicht-Allein-Seins — ist therapeutisch häufig wirksamer als das Einzelsetting. Nicht immer, nicht für jeden, aber oft genug, dass es Sinn macht, beides zu können und beides anzubieten. Ich biete beides an, weil ich eine Theorie von Veränderung habe, die über die Zweierbeziehung Therapeut-Klient hinausgeht.
Was meine Praxis als Ganzes sagt
Wenn ich alles zusammennehme — die Methodenvielfalt, den technischen Hintergrund, das Kriseninterventionsprofil, die Supervision, die Gruppenformate, den VR-Einsatz, den nüchternen Kommunikationsstil — dann entsteht das Bild einer Praxis, die ich nicht aus Berufung im schwärmerischen Sinn aufgebaut habe, sondern aus handwerklicher Verantwortung im strengen Sinn.
Berufung als Schwärmerei hat den Nachteil, dass sie mit dem ersten schwierigen Klienten, dem ersten Burnout, der ersten persönlichen Krise ihre Substanz verliert. Handwerkliche Verantwortung nicht — weil sie auf Kompetenz aufbaut, nicht auf Gefühl.
Das ist, wer ich bin und wie ich arbeite. Ohne Glanz, ohne Pathos — aber mit echtem Anspruch an das, was ich tue.