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Psychotherapeutische Sprechstunde: Ablauf und Termin

Die psychotherapeutische Sprechstunde ist der erste Schritt zur Therapie – ganz ohne Überweisung. Hier klären Therapeut:innen den Behandlungsbedarf und geben eine konkrete Empfehlung für die nächsten Schritte.

Dr. Ulrich Weber

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Eine Psychotherapeutin und ein Patient sitzen sich im Erstgespräch der psychotherapeutischen Sprechstunde zugewandt gegenüber. · KI-generiert
Eine Psychotherapeutin und ein Patient sitzen sich im Erstgespräch der psychotherapeutischen Sprechstunde zugewandt gegenüber. · KI-generiert

Kurz zusammengefasst

Die psychotherapeutische Sprechstunde ist Voraussetzung für eine Psychotherapie und erfordert keine ärztliche Überweisung. Erwachsene haben Anspruch auf bis zu sechs Einheiten à mindestens 25 Minuten (insgesamt bis zu 150 Minuten) im Rahmen der Sprechstunde. Am Ende des Erstgesprächs erhältst du ggf. das Formular PTV 11 mit einer ersten Diagnose und einer klaren Behandlungsempfehlung. Die 116117 muss dir innerhalb einer Woche einen Termin vermitteln, der maximal vier Wochen in der Zukunft liegt. Vom Erstgespräch bis zum eigentlichen Beginn einer Psychotherapie vergehen laut BPtK durchschnittlich 142 Tage, für Versicherte mit Erstgespräch im 1. Quartal 2019 (BPtK-Auswertung von 2022).

Die psychotherapeutische Sprechstunde als erster Schritt

Wenn du merkst, dass es dir psychisch nicht gut geht und über eine Psychotherapie nachdenkst, ist die psychotherapeutische Sprechstunde der offizielle Einstieg. Sie findet immer vor Beginn einer ambulanten Psychotherapie statt. Dafür brauchst du keine Überweisung vom Hausarzt oder von der Hausärztin: Du kannst dich direkt an eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung wenden.

Ziel des Gesprächs ist eine erste fachliche Einschätzung. Geprüft wird unter anderem, ob eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung oder Störung vorliegt und welche Hilfe am besten zu dir passt. Die Sprechstunde ist also keine Prüfung, die du bestehen musst, sondern ein erstes Kennenlernen mit klarem Auftrag: herausfinden, was dir konkret hilft und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

  • Liegt eine psychische Diagnose vor?
  • Kann eine Psychotherapie helfen?
  • Welche Therapiemethode passt am besten zu dir?
  • Wären andere Angebote sinnvoller, zum Beispiel Präventionskurse, Reha, Tagesklinik, Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen?

All diese Fragen klärt die Sprechstunde laut 116117. Du darfst auch Erstgespräche bei mehreren Therapeut:innen führen. Entscheidend ist, dass die „Chemie“ zwischen euch stimmt, denn eine tragfähige Beziehung ist eine der wichtigsten Grundlage für jede Therapie. Wie so ein Erstgespräch im Detail abläuft, erklärt der Artikel zum Psychotherapie-Ablauf Schritt für Schritt.

Dauer und Ablauf der Sprechstunde

Die Sprechstunde ist kein einzelnes Pflichtgespräch mit festem Drehbuch. Für Erwachsene umfasst sie laut Psychotherapie-Richtlinie in Einheiten von mindestens 25 Minuten höchstens sechs Termine je Krankheitsfall, insgesamt bis zu 150 Minuten. Bevor eine weitere Behandlung beginnen kann, muss die Sprechstunde insgesamt mindestens 50 Minuten gedauert haben. Wie viele Einheiten du tatsächlich brauchst, entscheidet sich im Einzelfall.

Rahmen der Sprechstunde

Erwachsene

Kinder, Jugendliche, Menschen mit geistiger Behinderung

Dauer pro Einheit

mindestens 25 Minuten

mindestens 25 Minuten

Anzahl der Einheiten je Krankheitsfall

höchstens 6 bei 25-Minuten-Einheiten

höchstens 10 bei 25-Minuten-Einheiten

Gesamtumfang

bis zu 150 Minuten

bis zu 250 Minuten

Im Gespräch geht es um deine aktuelle Situation, deine Belastungen und deine Vorgeschichte. Die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut schätzt ein, ob eine Behandlung zeitnah beginnen sollte, und informiert dich über die verschiedenen Therapieverfahren und den Ablauf einer Psychotherapie. Nimm dir vor dem Termin am besten etwas Zeit, dir zu notieren, was dich belastet und seit wann. Das erleichtert die Einschätzung und so vergisst du auch nichts im Gespräch.

Am Ende der Sprechstunde stellt die Praxis, sofern sie dir nicht direkt einen Therapieplatz anbieten kann, ein Formular aus, das sogenannte PTV 11. Darauf vermerkt sind das Ergebnis der Sprechstunde, die Behandlungsempfehlung und, wenn nötig, ein Vermittlungscode. Damit du später die empfohlene Behandlung vermittelt bekommst, muss auf dem Formular stehen, dass die ambulante Psychotherapie „zeitnah erforderlich“ ist.

Terminvereinbarung: Praxis direkt oder 116117

Es gibt zwei Wege zu einem Sprechstundentermin. Beide stehen dir offen, und du kannst sie kombinieren.

  • Direkt in der Praxis: Du rufst bei Psychotherapeut:innen in deiner Nähe an und fragst nach einem Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde. Praxen mit vollem Versorgungsauftrag sind zur Terminvereinbarung telefonisch erreichbar, mindestens 200 Minuten pro Woche.
  • Über die 116117: Als gesetzlich Versicherte:r kannst du die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigungen nutzen, telefonisch unter 116117 oder online im eTerminservice. Eine Übersicht passender Praxen bietet auch die Psychotherapeutensuche unter psychotherapiesuche.116117.de.

Für die Vermittlung über die 116117 gelten feste Fristen: Innerhalb einer Woche muss die 116117 dir einen Termin vermitteln. Dieser darf höchstens vier Wochen in der Zukunft liegen, bei einer Akutbehandlung höchstens zwei Wochen.

Wichtig zur Einordnung: Diese Fristen beschreiben, wie die Vermittlung über die 116117 ablaufen soll. Sie bedeuten nicht, dass überall sofort Plätze frei sind. Viele Praxen arbeiten mit Wartelisten, und bis zum Beginn einer richtigen Behandlung kann weitere Zeit vergehen. Einen ersten Überblick über verifizierte Psychotherapeut:innen, Ärzt:innen und Heilpraktiker:innen für Psychotherapie, filterbar nach Thema, Format und Versicherungsart, gibt dir das kostenlose Behandlerverzeichnis von mentcape.

Wie geht es nach der Sprechstunde weiter?

Das PTV 11 ist so etwas wie dein Fahrplan für die nächsten Schritte. Welche Wege sich daraus ergeben, hängt von der Empfehlung ab, die die Praxis eingetragen hat.

  • Psychotherapeutische Akutbehandlung: Bei dringendem Behandlungsbedarf kann sie schnell Entlastung bringen. Für Erwachsene umfasst sie in Einheiten von mindestens 25 Minuten bis zu 24 Termine je Krankheitsfall, insgesamt bis zu 600 Minuten. Die Behandlung muss der Krankenkasse nur angezeigt, nicht genehmigt werden, und kann direkt nach der Sprechstunde beginnen.
  • Probatorische Sitzungen: Zwei bis vier Gespräche dienen der weiteren Diagnostik und dem gegenseitigen Kennenlernen. Sie bereiten eine Kurz- oder Langzeittherapie vor und klären, ob die Zusammenarbeit passt.

Der Vermittlungscode auf dem PTV 11 hilft dir vor allem, wenn die empfohlene Behandlung in einer anderen Praxis stattfinden soll. Mit diesem Code kannst du telefonisch bei der 116117 oder online im eTerminservice einen Termin für die Akutbehandlung oder für probatorische Sitzungen vereinbaren, vorausgesetzt auf dem Formular steht, dass die Behandlung „zeitnah erforderlich“ ist.

Nach den probatorischen Sitzungen stellt die Praxis den Antrag auf Psychotherapie bei der Krankenkasse. Kurzzeittherapien umfassen 12 bis 24 Therapiestunden, bei mehr Bedarf kann eine Langzeittherapie beantragt werden. Wurden die probatorischen Sitzungen bei einer psychologischen Psychotherapeutin oder einem psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt, ist vorher noch eine ärztliche Untersuchung nötig, deren Ergebnis in einem Konsiliarbericht festgehalten wird.

Wartezeit überbrücken: Die bundesweite Warteliste

Ehrlich gesagt: Zwischen der Sprechstunde und dem Beginn einer Therapie liegt oft viel Zeit. Laut Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) beträgt die durchschnittliche Wartezeit vom Erstgespräch bis zum Therapiebeginn 142,4 Tage. Grundlage sind die Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung von rund 300.000 Versicherten, die im ersten Quartal 2019 ein Erstgespräch hatten. Das ist frustrierend, besonders wenn du schon erschöpft bist. Diese Wartezeit ist kein Zeichen, dass es dir „nicht schlimm genug“ geht.

Was in der Zwischenzeit helfen kann: Nimm zunächst die Sprechstunde wahr, auch wenn der Therapieplatz noch fehlt, denn sie liefert dir eine Empfehlung und den PTV-11-Befundbericht. Bei akuten Krisen frag nach einer Akutbehandlung, die schneller beginnen kann. Für eine erste Orientierung, was dich am meisten belastet, kannst du kostenlose, anonyme Selbsttests nutzen. Sie ersetzen keine fachliche Einschätzung, helfen dir aber, deine Situation besser einzuordnen.

Statt Praxen nacheinander abzutelefonieren, kannst du dich auch in die bundesweite Warteliste von mentcape eintragen: Du beantwortest einmal ein paar Fragen, die Eintragung ist kostenlos und unverbindlich, und verifizierte Behandler:innen mit freien Kapazitäten melden sich dann aktiv bei dir, wenn deine Angaben zu ihnen passen. Auch das löst nicht das Problem der Wartezeiten. Es verkürzt aber den Suchweg und macht dich sichtbar für Praxen, die gerade Platz haben. Findest du keinen Kassenplatz, kann auch eine Kostenerstattung für eine Behandlung in einer Privatpraxis infrage kommen. Die Vorbereitung des Antrags kannst du ebenfalls in der Web-App von mentcape starten; einreichen musst du ihn selbst, die Entscheidung trifft deine Krankenkasse.

Der wichtigste Schritt bleibt derselbe: den ersten Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde zu vereinbaren, direkt in einer Praxis oder über die 116117. Von dort aus hast du einen klaren Fahrplan, und jede weitere Etappe baut darauf auf.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. bundesgesundheitsministerium.de
  2. 116117.de
  3. g-ba.de
  4. g-ba.de
  5. gesund.bund.de
  6. bptk.de

FAQ

Häufige Fragen zum Thema

Brauche ich eine Überweisung für die psychotherapeutische Sprechstunde?

Nein, du benötigst keine Überweisung. Du kannst dich direkt an eine psychotherapeutische Praxis wenden oder über die Terminservicestelle 116117 einen Termin für das Erstgespräch vereinbaren.

Wie lange dauert eine psychotherapeutische Sprechstunde?

Eine Einheit dauert mindestens 25 Minuten. Bei Erwachsenen können bis zu sechs Einheiten (insgesamt maximal 150 Minuten) im Rahmen der Sprechstunde durchgeführt werden.

Was ist das Formular PTV 11?

Das Formular PTV 11 ist ein Befundbericht, den du am Ende der Sprechstunde erhältst. Er dokumentiert das Ergebnis des Erstgesprächs und enthält eine Empfehlung, ob und welche weitere Behandlung (z. B. Akutbehandlung oder Richtlinientherapie) für dich geeignet ist.

Wie schnell bekomme ich einen Termin über die 116117?

Wenn du dich an die Terminservicestelle 116117 wendest, muss dir innerhalb einer Woche ein Termin für eine Sprechstunde angeboten werden. Dieser Termin darf höchstens vier Wochen (bei Akutbehandlungen zwei Wochen) in der Zukunft liegen.

Was passiert nach der psychotherapeutischen Sprechstunde?

Abhängig von der Empfehlung auf dem PTV 11 können eine Akutbehandlung oder probatorische Sitzungen zur Vorbereitung einer längeren Therapie folgen. Leider dauert es laut Zahlen der Bundespsychotherapeutenkammer im Durchschnitt 142 Tage, bis die reguläre Therapie nach dem Erstgespräch tatsächlich startet, für Versicherte mit Erstgespräch im 1. Quartal 2019 (BPtK-Auswertung von 2022).

So entsteht dieser Artikel

Dieser Artikel wurde von der mentcape-Redaktion mit Unterstützung von KI-Werkzeugen recherchiert und geschrieben. Dr. Ulrich Weber hat ihn am 23. Oktober 2026 fachlich geprüft. Wir prüfen ihn mindestens einmal im Jahr und bei Gesetzesänderungen erneut.

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen.

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