Generalisierte Angststörung heilbar? Was die Forschung sagt
Eine generalisierte Angststörung ist behandelbar, und viele Menschen überwinden sie mit der Zeit. Hier erfährst du, was „heilbar“ realistisch heißt, wie sich normale Angst von einer Angststörung unterscheidet und was die Leitlinie zur Behandlung sagt.

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Kurz zusammengefasst
Eine generalisierte Angststörung ist behandelbar. Eine schnelle und einfache Heilung ist von keiner Methode zu erwarten, aber viele Menschen schaffen es mit Geduld und therapeutischer Hilfe, sie zu überwinden. Die S3-Leitlinie empfiehlt, Psychotherapie (vor allem KVT) und Medikamente anzubieten und deine Präferenz zu berücksichtigen. Ob Angst normal ist oder eine Störung, klärt ein Gespräch mit Fachleuten.
Ja, eine generalisierte Angststörung (GAS) lässt sich behandeln, und viele Menschen überwinden sie mit der Zeit. Eine schnelle und einfache „Heilung“ ist laut gesundheitsinformation.de von keiner Behandlungsmethode zu erwarten. Die Verfahren können aber dafür sorgen, dass Symptome gemildert werden und du besser mit der Angst umgehen kannst. Das ist oft schon nach einigen Wochen spürbar. Auch erfolgreich behandelte Angststörungen können laut Patientenleitlinie im weiteren Leben erneut auftreten. Hier erfährst du, was „heilbar“ bei der GAS realistisch bedeutet, wie sich normale Angst von einer Angststörung unterscheidet und was die Leitlinie zur Behandlung mit und ohne Medikamente sagt.
Was eine generalisierte Angststörung ausmacht
Menschen mit GAS haben nahezu ständig Angst. Das Angstgefühl lässt sich nicht kontrollieren und schränkt den Alltag ein. Betroffene machen sich über alles Mögliche Sorgen, etwa dass Angehörigen ein Unfall zustoßen oder sie selbst erkranken könnten, und meist auch über ihre permanente Besorgtheit. Dazu kommen körperliche Beschwerden wie Zittern, Herzrasen, Schwindel, Muskelverspannungen sowie Konzentrations- und Schlafstörungen (gesundheitsinformation.de; Patientenleitlinie). Im Gegensatz zur Panikstörung treten die Symptome nicht gleichzeitig in Form eines Anfalls auf, sondern in wechselnder Kombination als unterschwelliger Dauerzustand.
Eine GAS wird diagnostiziert, wenn die Ängste mindestens sechs Monate andauern und in dieser Zeit an den meisten Tagen bestehen, unkontrollierbar werden, den Alltag beeinträchtigen und mit mindestens drei körperlichen Symptomen verbunden sind. Nach Schätzungen erhalten etwa 5 % aller Menschen im Laufe des Lebens diese Diagnose, Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Mehr zum Krankheitsbild findest du auf unserer Seite zur generalisierten Angststörung.
Normale Angst oder Angststörung?
Angst ist eine normale, natürliche Reaktion auf Gefahrenreize. Angst vor realen Bedrohungen ist sinnvoll. Wer im Fahrstuhl ein kribbeliges Gefühl hat oder Angst hat, eine Rede zu halten, leidet laut Patientenleitlinie deshalb noch nicht an einer behandlungsbedürftigen Angststörung. Bei einer Angststörung kommt es dagegen zu sehr starken Ängsten, zu einer fehlerhaften Einschätzung der tatsächlichen Gefahr oder zu einer Angstreaktion ohne erkennbaren Auslöser. Eine genaue Grenze zwischen angemessener und krankhafter Angst ist nicht einfach zu ziehen.
Die Leitlinie nennt Aussagen, bei denen du das Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Psychotherapeutin suchen solltest, wenn du einer oder mehreren zustimmst:
- Ich denke mehr als die Hälfte des Tages über meine Ängste nach.
- Ich werde durch die Ängste in meiner Lebensqualität und Bewegungsfreiheit erheblich eingeschränkt.
- Wegen meiner Ängste werde ich immer depressiver.
- Ich bekämpfe meine Ängste oft mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungstabletten.
- Wegen meiner Ängste ist meine Partnerschaft ernsthaft in Gefahr.
- Wegen meiner Ängste habe ich Probleme im Beruf oder bin deswegen arbeitslos.
Die Leitlinie führt auch auf: „Wegen meiner Ängste habe ich schon Suizidgedanken gehabt.“ Wenn es dir so geht, findest du unten Anlaufstellen. Ein kurzer Selbsttest zu Angst, Zwang und Depression kann eine erste Orientierung geben, ersetzt aber keine Diagnose.
Warum die Diagnose wichtig ist: Die Symptome einer GAS können denen anderer psychischer Erkrankungen wie Phobien, Panikstörungen oder Zwangsstörungen ähneln, und viele Betroffene haben auch Beschwerden, die eher zu einer Depression passen. Körperliche Symptome wie Herzrasen kommen zum Beispiel auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion vor. Deshalb sollten körperliche Ursachen ärztlich ausgeschlossen werden, und die Diagnose stellen eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin in einem Gespräch.
Ist die generalisierte Angststörung heilbar?
gesundheitsinformation.de spricht statt von „Heilung“ lieber davon, dass Menschen ihre Angststörung „überwinden“. Eine ausgeprägte Angststörung kann sehr hartnäckig sein, und es dauert häufig viele Monate oder Jahre, bis sie überwunden ist. Bis dahin erleben Betroffene aber auch Phasen mit weniger starker Angst. In einer Studie hatte nach zwei Jahren etwa jeder vierte Betroffene die Angststörung überwunden. Langfristig schaffen es jedoch viele Menschen, ihre Ängste zu überwinden, und mit dem Alter geht die GAS oft zurück (gesundheitsinformation.de).
Eine Behandlung lohnt sich. Bei unbehandelten Angststörungen besteht die Gefahr, dass sie chronisch verlaufen. Sie bilden sich nur selten spontan zurück. Bei der GAS ist der Verlauf häufig phasenhaft. Werden Angststörungen erst nach langem Krankheitsverlauf erkannt und behandelt, kann das die Erfolgsaussichten der Therapie ungünstig beeinflussen (Patientenleitlinie).
Behandlung: Geht es ohne Medikamente?
Nach der S3-Leitlinie soll Menschen mit GAS sowohl Psychotherapie als auch Pharmakotherapie angeboten werden. Dabei soll die Präferenz der informierten Patientin oder des informierten Patienten berücksichtigt werden. Im Informationsgespräch sollen insbesondere Wirkeintritt, Nachhaltigkeit, unerwünschte Wirkungen und Verfügbarkeit eine Rolle spielen. Du kannst also mit deiner Ärztin oder deinem Therapeuten besprechen, ob du mit einer Psychotherapie beginnen möchtest. War eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam, soll die jeweils andere angeboten werden, oder es kann eine Kombination angeboten werden. Ob ein Verzicht auf Medikamente für dich in Frage kommt, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Bei GAS soll laut Leitlinie eine KVT angeboten werden. Eine psychodynamische Psychotherapie sollte angeboten werden, wenn sich eine KVT nicht als wirksam erwiesen hat, nicht verfügbar ist oder wenn du sie bevorzugst. In der KVT lernst du, kritisch zu bewerten, ob automatisch auftretende Gedanken korrekt und hilfreich sind. Typische Bestandteile sind Informationen über das Störungsbild, die gemeinsame Überprüfung, welche Gedanken die Angststörung aufrechterhalten, Verhaltensexperimente und der Abbau von Vermeidungsverhalten. Wer eine GAS hat, sollte nach der Leitlinie Situationen, die nicht real gefährlich sind, wie zum Beispiel Urlaubsreisen, nicht vermeiden oder aufschieben. Wie eine erste Sitzung abläuft, liest du im Beitrag zum Ablauf der Psychotherapie.
Was zusätzlich helfen kann
- Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung werden in einigen Psychotherapien eingesetzt. Dabei kann es auch zu einer Zunahme der Angstsymptomatik kommen, deshalb sollte die Anwendung individuell besprochen und erprobt werden.
- Sport kann zur Besserung der Symptome beitragen, weil er auch das Rückzugs- und Schonverhalten angeht. Als alleinige Maßnahme reicht Sport nicht aus.
- Internetbasierte KVT-Programme können zur Überbrückung bis zum Therapiebeginn oder begleitend zur Therapie als Anleitung zur Selbsthilfe angeboten werden. Sie sollen nicht als alleinige Behandlung eingesetzt werden.
- Selbsthilfegruppen bieten Austausch mit anderen Betroffenen. Die Leitlinie empfiehlt, Betroffene und Angehörige darüber zu informieren und gegebenenfalls zur Teilnahme zu motivieren.
- Lebensweise: Zu viel Alkohol und Nikotin können eine Angsterkrankung ungünstig beeinflussen. Manche Menschen bekommen durch zu viel Koffein Angstsymptome. Darüber hinaus rät die Leitlinie zu allgemein gesunder Ernährung und einer möglichst ausgeglichenen Lebensweise.
Medikamente: Was die Leitlinie sagt
Für die GAS nennt die Leitlinie die SSRI Escitalopram oder Paroxetin, die SNRI Duloxetin oder Venlafaxin sowie Pregabalin. Antidepressiva brauchen manchmal Wochen, bis sie wirken, und in den ersten Tagen kann es zu verstärkter Unruhe und Angstgefühlen kommen. Die in der Angstbehandlung bevorzugt eingesetzten Antidepressiva machen nicht abhängig. Bei Beruhigungsmitteln aus der Gruppe der Benzodiazepine besteht dagegen bei längerer Einnahme die Gefahr einer Sucht, weshalb sie zur Behandlung von Angststörungen nicht empfohlen werden. Setze ein Medikament nie ohne Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab und ändere die Dosis nicht selbst.
Wann du dir Hilfe holen solltest und wie
Wenn du dich in den oben genannten Aussagen wiedererkennst, ist ein Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Psychotherapeutin ein guter nächster Schritt. Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle. Im Behandlerverzeichnis kannst du nach Behandler:innen suchen. Wenn du nicht selbst Praxen abtelefonieren möchtest, kannst du dich auf die bundesweite Warteliste von mentcape eintragen: Du beantwortest einmal einige Fragen, und Behandler:innen mit freien Plätzen melden sich bei dir. Die Eintragung ist kostenlos und unverbindlich, du kannst dich jederzeit wieder austragen. Auf der Warteliste suchen Behandler:innen mit Heilerlaubnis, das sind approbierte Psychotherapeut:innen und Heilpraktiker:innen für Psychotherapie. Einen Kassenplatz kann mentcape nicht versprechen. Wenn du erst einmal sehen möchtest, welche Wege für dich infrage kommen, kannst du unter Hilfe finden ein paar Fragen beantworten.
Wenn es dir sehr schlecht geht oder du an Suizid denkst: Ruf den Notruf 112 an oder geh in die Notaufnahme einer Klinik. Die TelefonSeelsorge erreichst du rund um die Uhr, kostenfrei und anonym unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Weitere Kontakte findest du unter Hilfe bei Notfällen.
Quellen und weiterführende Literatur
FAQ
Häufige Fragen zum Thema
Kann man eine generalisierte Angststörung ohne Medikamente behandeln?
Die S3-Leitlinie empfiehlt, Menschen mit GAS Psychotherapie und Pharmakotherapie anzubieten und dabei die Präferenz der informierten Patientin oder des Patienten zu berücksichtigen. Eine Psychotherapie, vor allem KVT, ist also eine eigene Behandlungsoption. War sie nicht ausreichend wirksam, soll die jeweils andere Therapieform angeboten werden. Ob ein Verzicht auf Medikamente für dich passt, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wie lange dauert es, bis eine generalisierte Angststörung überwunden ist?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Laut gesundheitsinformation.de dauert es bei einer ausgeprägten Angststörung häufig viele Monate oder Jahre, bis sie überwunden ist. Besserung kann aber oft schon nach einigen Wochen spürbar sein. Viele Menschen schaffen es mit Geduld und der Hilfe einer Therapeutin oder eines Therapeuten, ihre Angststörung zu überwinden.
Kann eine generalisierte Angststörung von allein verschwinden?
Nach der Patientenleitlinie bilden sich unbehandelte Angststörungen nur selten spontan zurück, mit Ausnahme der spezifischen Phobien bei Kindern. Es besteht die Gefahr, dass sie chronisch verlaufen. Im höheren Lebensalter treten die Symptome von Angststörungen laut Leitlinie seltener auf. Wenn dich die Sorgen belasten, ist es sinnvoll, nicht abzuwarten, sondern Hilfe zu suchen, zum Beispiel über das Behandlerverzeichnis.
Was ist der Unterschied zwischen generalisierter Angststörung und Panikstörung?
Bei der generalisierten Angststörung treten die Symptome nicht gleichzeitig in Form eines Anfalls auf, sondern in wechselnder Kombination als unterschwelliger Dauerzustand. Bei der Panikstörung kommt es zu plötzlichen Panikanfällen mit Symptomen wie Herzrasen, Zittern, Schwitzen oder Luftnot. Mehr dazu auf der Seite zur Panikstörung.
So entsteht dieser Artikel
Dieser Artikel wurde von der mentcape-Redaktion mit Unterstützung von KI-Werkzeugen recherchiert und geschrieben. Wir prüfen ihn mindestens einmal im Jahr und bei Gesetzesänderungen erneut.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen.
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