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Wie sage ich einer Person, dass sie eine Therapie machen sollte?

Du machst dir Sorgen um einen Menschen, der dir nahesteht? So sprichst du das Thema Psychotherapie einfühlsam an, ohne Druck, und so kannst du konkret unterstützen.

Dr. Ulrich Weber

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Wie sage ich einer Person, dass sie eine Therapie machen sollte?
Wie sage ich einer Person, dass sie eine Therapie machen sollte?

Kurz zusammengefasst

Sprich das Thema in Ruhe an, beschreibe konkret, was dir aufgefallen ist, und sag, dass du dir Sorgen machst. Biete praktische Hilfe an und gib nicht nach dem ersten Versuch auf. Für eine Psychotherapie braucht es keine Überweisung; Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt der Patientenservice 116117. Bei akuter Gefahr: Notruf 112.

Viele Angehörige und Freund:innen kennen diese Situation: Ein Mensch, der dir wichtig ist, wirkt seit Wochen erschöpft, zieht sich zurück, ist ängstlich, gereizt oder niedergeschlagen. Du hast das Gefühl, dass professionelle Hilfe guttun würde, weißt aber nicht, wie du das ansprechen sollst, ohne zu verletzen. Die folgenden sechs Schritte helfen dir dabei.

1. Wähle den richtigen Zeitpunkt und Ort

Such dir einen Moment, in dem ihr beide Zeit habt und ungestört seid, zum Beispiel bei einem Spaziergang oder abends zu Hause. Wichtig ist ein Ort, an dem sich die andere Person wohlfühlt. Ein solches Gespräch gehört nicht zwischen Tür und Angel und nicht unter Zeitdruck.

2. Beschreibe, was dir aufgefallen ist

Beginne nicht mit dem Vorschlag einer Therapie, sondern mit deinen Beobachtungen und deiner Sorge. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe schlägt zum Beispiel vor, es so zu sagen: „Es geht dir nicht gut. Ich mache mir Sorgen. Lass dich doch mal beim Hausarzt/der Hausärztin durchchecken. Ich begleite Dich bei Bedarf gerne.“ Eine Vermutung über eine Diagnose musst du dabei nicht aussprechen (Deutsche Depressionshilfe: Tipps für Angehörige).

Hilfreich sind Sätze, die von dir ausgehen, etwa „Mir ist aufgefallen, dass du dich in letzter Zeit oft zurückziehst“. Rate der Person dagegen nicht, „sich zusammenzunehmen“: Wer an einer Depression erkrankt ist, kann diese Forderung nicht erfüllen, und der Ratschlag verstärkt möglicherweise sogar Schuldgefühle (Deutsche Depressionshilfe). Hör aktiv zu und nimm die Sicht der anderen Person ernst.

3. Zeige, dass Hilfe zu holen normal ist

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe rät Angehörigen, eine Depression als Erkrankung zu akzeptieren, die jeden treffen kann, und sich zu informieren. Das hilft auch der betroffenen Person zu verstehen, dass eine Behandlung wichtig und hilfreich ist (Deutsche Depressionshilfe). Psychotherapie kann ambulant, teilstationär oder stationär stattfinden. Für gesetzlich Versicherte entstehen bei den anerkannten Verfahren keine Kosten; ambulant braucht die Praxis dafür eine Kassenzulassung. Anerkannt sind Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und systemische Therapie (gesund.bund.de: Psychotherapie).

Wenn du selbst gute Erfahrungen mit Beratung oder Therapie gemacht hast und dich damit wohlfühlst, kann es helfen, davon zu erzählen.

4. Informiere dich vorher über die Wege zur Therapie

Viele schreckt weniger die Therapie selbst ab als die Frage, wie man überhaupt einen Platz bekommt. Diese Schritte nennt der Patientenservice 116117 (116117: Psychotherapie):

  • Keine Überweisung nötig: Für eine Psychotherapie braucht es keine Überweisung.
  • Psychotherapeutische Sprechstunde: Dort wird geklärt, ob eine psychische Erkrankung vorliegt, ob eine Psychotherapie helfen kann, welche Methode passt oder ob andere Angebote sinnvoller sind.
  • Terminservice 116117: Telefonisch unter 116117 oder online vermittelt der Patientenservice Termine für die Sprechstunde und, mit Vermittlungscode, für Akutbehandlung und probatorische Sitzungen.
  • Probatorische Sitzungen: In zwei bis vier Sitzungen lernen sich Patient:in und Therapeut:in kennen und erstellen einen Behandlungsplan (gesund.bund.de). Stimmt die Chemie nicht, kann man über die 116117 einen Termin in einer anderen Praxis vereinbaren.
  • Ärztliche Abklärung: Vor einer längeren Psychotherapie wird in einer Haus- oder Facharztpraxis abgeklärt, ob körperliche Ursachen vorliegen (Konsiliarbericht).
  • Antrag: Für eine Kurz- oder Langzeittherapie wird ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt.

Wird kein rechtzeitiger Behandlungsplatz gefunden, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Kostenerstattung für eine Behandlung in einer Privatpraxis infrage kommen. Die Rechtsgrundlage ist § 13 Abs. 3 SGB V; über die Erstattung entscheidet die Krankenkasse.

Passende Praxen bzw. Behandler:innen findest du im Behandlerverzeichnis von mentcape. Wie eine erste Sitzung abläuft, erklärt unser Artikel Psychotherapie Ablauf: Was dich in der ersten Sitzung erwartet. Über „Hilfe finden“ bei mentcape seht ihr nach ein paar Fragen, welche Wege infrage kommen; gesetzlich Versicherte können dort auch die Vorbereitung eines Kostenerstattungsantrags starten.

5. Biete an, gemeinsam nach Hilfe zu suchen

Biete ganz praktische Unterstützung an, zum Beispiel gemeinsam nach einer Praxis zu suchen oder die Person zum ersten Termin zu begleiten. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe rät, nicht nach dem ersten Versuch aufzugeben, die Sorge zu wiederholen und die Hilfe immer wieder anzubieten. Manchmal kann es auch helfen, selbst einen Arzttermin zu vereinbaren und die Person dorthin zu begleiten (Deutsche Depressionshilfe).

Statt gemeinsam viele Praxen abzutelefonieren, könnt ihr euch auch auf die bundesweite Warteliste von mentcape setzen: Die Person beantwortet einmal ein paar Fragen zu ihrem Anliegen, und Behandler:innen mit freien Plätzen melden sich bei ihr. Das ist kostenlos und unverbindlich.

6. Hab Geduld

Der Weg in die professionelle Behandlung kann Zeit und Geduld erfordern. Lehnt die Person Hilfe zunächst ab, signalisiere, dass du da bist, und wende dich nicht ab, auch wenn sie abweisend reagiert (Deutsche Depressionshilfe). Komm nach einiger Zeit behutsam wieder auf das Thema zurück.

Wenn akute Gefahr besteht

Äußert die Person, nicht mehr leben zu wollen, nimm das immer ernst und sprich sie ruhig und sachlich darauf an. Die Befürchtung, man könne einen Suizid dadurch erst provozieren, ist laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe falsch; in aller Regel ist es für die Person eine Entlastung, über die quälenden Gedanken sprechen zu können. Versuche nicht, selbst Therapeut:in zu sein, sondern hol professionelle Hilfe (Deutsche Depressionshilfe: Suizidalität):

  • Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Klinik, rund um die Uhr; schnelle Hilfe bietet auch ein regionaler Krisendienst
  • Wirkt die Person stark gefährdet und will nicht mitkommen: Notruf 112 wählen und bei ihr bleiben, bis der Rettungsdienst eintrifft
  • einen zeitnahen Termin in der Hausarztpraxis, bei der Psychiaterin oder dem Psychiater oder in der Psychotherapie, auch über die 116117
  • TelefonSeelsorge, Tag und Nacht, kostenfrei und anonym: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 (telefonseelsorge.de)
  • weitere Anlaufstellen unter Hilfe bei Notfällen

Und du selbst?

Einen Menschen zu begleiten, dem es psychisch schlecht geht, kann sehr belastend sein. Achte auf die Grenzen deiner Belastbarkeit. Hilfe, Beratung und Kontakt zu Angehörigengruppen bietet zum Beispiel der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK). Wird die Belastung zu groß, sprich deine Hausarztpraxis an (Deutsche Depressionshilfe).

Fazit

Mit Einfühlungsvermögen, konkreten Beobachtungen und ehrlicher Sorge kannst du das Thema Psychotherapie ansprechen. Informiere dich vorher über die Wege zur Therapie, biete praktische Hilfe immer wieder an und hab Geduld. Bei akuter Gefahr zählt nur eines: sofort professionelle Hilfe holen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. 116117 – Patientenservice: Psychotherapie (Sprechstunde, Terminvermittlung, probatorische Sitzungen, Konsiliarbericht)
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Psychotherapie – Ein Überblick
  3. § 13 SGB V – Kostenerstattung (gesetze-im-internet.de)
  4. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: Tipps für Angehörige
  5. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: Suizidalität erkennen & Hilfe finden
  6. TelefonSeelsorge Deutschland

FAQ

Häufige Fragen zum Thema

Braucht man für eine Psychotherapie eine Überweisung?

Nein. Für eine Psychotherapie braucht es keine Überweisung. Vor einer längeren Psychotherapie wird aber in einer Haus- oder Facharztpraxis abgeklärt, ob körperliche Ursachen vorliegen (Quelle: 116117).

Was mache ich, wenn die Person Hilfe ablehnt?

Signalisiere, dass du da bist, gib nicht nach dem ersten Versuch auf und biete deine Hilfe immer wieder an (Quelle: Stiftung Deutsche Depressionshilfe). Bei akuter Gefahr hol sofort Hilfe über den Notruf 112.

Wie kommt man an einen ersten Termin?

Über den Patientenservice 116117 lassen sich Termine für eine psychotherapeutische Sprechstunde vermitteln. Alternativ kann man sich auf die bundesweite Warteliste von mentcape setzen; Behandler:innen mit freien Plätzen melden sich dann. Praxen in der Nähe findest du im Behandlerverzeichnis.

Was kostet eine Psychotherapie für gesetzlich Versicherte?

Für gesetzlich Versicherte entstehen bei den anerkannten Psychotherapie-Verfahren keine Kosten; ambulant braucht die Praxis dafür eine Kassenzulassung (Quelle: gesund.bund.de). Für eine Kurz- oder Langzeittherapie wird ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt (Quelle: 116117).

So entsteht dieser Artikel

Dieser Artikel wurde von der mentcape-Redaktion mit Unterstützung von KI-Werkzeugen recherchiert und geschrieben. Dr. Ulrich Weber hat ihn am 20. Oktober 2026 fachlich geprüft. Wir prüfen ihn mindestens einmal im Jahr und bei Gesetzesänderungen erneut.

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen.

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